Um Werbebotschaften unter die Leute zu bringen, suchen Marketing-Experten nach immer neuen Wegen. Die neuste Strategie: Kinder.
Heute erscheint das Buch des Marketing-Gurus Martin Lindström «Brandwashed». Darin beschreibt er seine Erkenntnisse aus einem aufwendigen Guerilla-Marketing-Experiment: Mithilfe einer gecasteten Vorzeigefamilie wurden Luxusartikel vermarktet und die Reaktionen im Umfeld heimlich gefilmt und analysiert. Durch die verdeckte Marketingstrategie konnte bewiesen werden, dass die Empfehlungen eines Freundes oder Bekannten weitaus mehr wiegen als ein Werbespot. Lindström ist überzeugt, dass es in wenigen Jahren zum Marketingstandard gehören wird, mit «echten» Familien zu werben. Ebenfalls besprochen wird in seinem Buch die Tatsache, dass sich die Werbebranche immer stärker auf Kinder konzentriert. Was Lindström beschreibt, ist teilweise schon Realität.
Leistungsfähigere Kinder dank Weetabix
Im Werbejargon spricht man von «Influential Individuals», wenn man «Normalos» meint, die gewisse Produkte vermarkten sollen, also keine Promis, die als sogenannte Testimonials werben. Zu «Influential Individuals» hat nun auch der britische Cerealien-Hersteller Weetabix gegriffen – wobei es sich bei den «Brand Ambassadors» (Marken-Botschaftern) um Kinder handelt. Ende Juni postete Weetabix auf seinem Facebook-Profil einen Aufruf an vielbeschäftigte Kinder (Höchstalter 13 Jahre) und deren Eltern mit der Bitte, sich via E-Mail zu melden. Der Post fiel auch dem Ehepaar Milmine aus Wimbledon auf, sie meldeten ihre beiden Söhne, die Zwillinge Jack und Thomas, für das Werbecasting an. Mit Erfolg: Seit einigen Wochen dürfen sich Jack und Thomas und 13 weitere Kinder offiziell Weetabix-Botschafter nennen.
Laut der englischen Tageszeitung «The Telegraph» erhalten die Kinder rund 400 Franken fürs Tragen von Kleidern mit Weetabix-Logos an speziell ereignisreichen Tagen. Wobei sie die Kleider in der Schule nicht tragen dürfen, denn England verbietet – wie auch die Schweiz – Werbung an Schulen. Darum suchte man explizit nach vielbeschäftigten Kindern mit vielen Hobbys, denn in der Freizeit besteht kein Logo-Verbot. Ziel der Marketingstrategen ist es, die Nachricht, dass «Kinder, die Weetabix essen, mehr in einen Tag packen können als Kinder, die kein Weetabix zum Frühstück essen» unters Kindervolk zu bringen. Sally Abbott, die Pressesprecherin der Firma, sagte gegenüber der Zeitung, dass zwar die Eltern wüssten, dass Weetabix ideal für anspruchsvolle Tage sei, aber «wir müssen einen anderen Weg finden, um diese Message unter den Kindern zu verbreiten».
Neue Studie über Konsum- und Freizeitverhalten von Jugendlichen
Die Marketingagentur jim & jim hat in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope das Freizeit- und Konsumverhalten Deutschschweizer Jugendlicher untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
Frauen lassen sich viel häufiger von Spezialangeboten durch Empfehlungen aus dem Freundeskreis beeinflussen als Männer.
Männer kaufen tendenziell nur, was ihnen gefällt oder wenn sie etwas wirklich brauchen.
Ein gewisser Standard ist bei beiden Pflicht, Markentreue und -image sind ein wichtiger Faktor.
Frauen geben ihr Geld am häufigsten für Kleider und Bücher aus. Männer kaufen am liebsten elektronische Geräte und andere Gadgets.
Jugendliche informieren sich, bevor sie sich etwas Neues leisten, hauptsächlich über die Homepage des jeweiligen Anbieters. Offline haben Empfehlungen aus dem Freundeskreis am meisten Gewicht.
Wenn sie nicht online sind, machen es drei von vier Jugendlichen von ihren Freunden abhängig, welchen Club oder welche Bar sie frequentieren.
Online hat Facebook mit Abstand den grössten Einfluss auf das Ausgehverhalten. Dies erstaunt nicht, da 90 Prozent aller Deutschschweizer Jugendlichen auf Facebook registriert sind und mehr als die Hälfte ein Smartphone besitzt.
Quelle: www.tagesanzeiger.ch
Beitrag von Pauline Molliet
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